Jüdische Mitbürger
Juden in Bad Bentheim
Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, um die Mitte des 17. Jahrhunderts, begann in der Grafschaft Bentheim eine stetige Ansiedlung von Juden, allerdings durften diese sich in der Grafschaft nur in Bad Bentheim sowie Schüttorf, Neuenhaus und Nordhorn ansiedeln. Damit die Juden in der Grafschaft Bentheim wohnhaft bleiben durften mussten sie im 17./18. Jahrhundert und teilweise noch im 19. Jahrhundert einen Tribut an ihren Landsherrn zahlen, dafür erhielten sie einen Geleitbrief oder auch Schutzbrief genannt. Die Juden nannte man daher Schutzjuden. Nach 1850 wurden der jüdischen Bevölkerung im Königreich Hannover immer mehr Recht zugestanden und somit erhielten sie eine völlige Gleichstellung. 1864 lebten in der Grafschaft Bentheim 264 Juden, das sind 0,8 % der Gesamtbevölkerung. In dieser Zeit entstanden drei Synagogengemeinden. Eine für Bentheim, Gildehaus und Schüttorf, eine in Veldhausen mit Neuenhaus, Lage, Uelsen und Emlichheim und eine in Nordhorn und Altendorf.
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Tor des jüdischen Friedhofes in Gildehaus |
Wieder aufgestellte geschändete Grabsteine des jüdischen Friedhofes in Gildehaus. |
Leefman Abraham war der erste Jude, der mit seiner Familie im 17. Jahrhundert in Bentheim ansässig wurde und ferner ist belegt, dass um 1679 der Jude Meyer Franke in Bentheim lebte. Im Jahr 1713 wohnten fünf jüdische Familien in Bad Bentheim, das belegen die schriftlichen Tributzahlungen. Nach dem Pogrom am 9./10. November 1938 flohen die Juden aus Bad Bentheim.
Die Synagoge in Bentheim


Durch den Landesrabbiner Hamburger aus Emden wurde im Jahr 1853 die Synagoge in Bad Bentheim (Wilhelmstraße 5) eingeweiht. Der Gemeinde gehörten 76 Mitglieder aus Bad Bentheim, Gildehaus und Schüttorf an. Egon Neter flüchtete mit seinem Bruder nach England, er war der letzte Vorsteher der Gemeinde. Am 11. November 1938 erfolgte die zwangsweise Übereignung des Synagogengebäudes und des Grundstückes an die Stadt Bad Bentheim, die beides wenig später an eine Privatperson verkaufte.
Foto: Synagoge (1853 - 1938) Bad Bentheim, Wilhelmstraße 5 (fünftes Haus von rechts).
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Jüdisches Mahnmal in Bad Bentheim, errichtet im Jahre 1985. |
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Bad Bentheim - wo sie lebten
Die genannten Häuser haben in den letzten 50 Jahren bereits mehrfach den Besitzer gewechselt. Aus den gezeigten Bildern lassen sich daher keine Hinweise auf den Ersterwerber ableiten.
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Eheleute Schäfer, Wilhelmstraße 16 |
Joel Wertheim, Wilhelmstraße 36
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Hella Wertheim aus Gildehaus:
Unter der Last der Erinnerung an Theresienstadt und Auschwitz
Im Oktober 1944 wurden Ida und Hella Sass gleich nach der Ankunft in Auschwitz auf der Rampe voneinander getrennt. Ein großer, schlanker Mann in Uniform, Josef Mengele (Lagerarzt), selektierte. Er verwies mit der Hand Ida Sass auf die linke Seite, während Hella zusammen mit ihrer Freundin Ellen Wallach auf die rechte Seite getrieben wurde. Ich wollte meiner Mutter hinterherlaufen und rief: "Das ist doch meine Mutter!" Da packte er mich am Ärmel, zerrte mich auf die andere Seite und sagte: "Du siehst deine Mutter schon noch wieder!"
Doch Hella Wertheim hat ihre Mutter nie wieder gesehen.
"Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob Mengele eine Reitpeitsche hatte. Ich weiß es nicht mehr", fährt Hella Wertheim fort. Aber das beklemmende Zeichen von Auschwitz, die rote Rauchfahne aus dem Schornstein des Krematoriums, hat sich in das Bewusstsein eingebrannt. Hella Wertheim sagt: "Die Erinnerung an die Vergangenheit werde ich so lange tragen, wie ich lebe. Immer wieder kommen auch Schuldgefühle gegenüber meiner Mutter auf. Wieso habe ich überlebt?"
(Schülerinterview Juli 2007)
Stolpersteine in Bad Bentheim
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Die Stolpersteine sollen Erinnerungen im öffentlichen Raum sein. Sie wurden vor den ehemaligen Wohn-häusern der NS-Opfer in den Bürgersteig eingesetzt. In Bad Bentheim gibt es 40 Erinnerungssteine. Nun ist auch Bad Bentheim mit dem Patenschaftsprojekt "Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Hitler-Regimes" beteiligt. Die Initiatoren Liesel Schmidt, Heiner Beernink, Rainer Deters und Bernd Sundhoff möchten damit an viele ehemalige Mitbürger, die in den Jahren von 1933 bis 1945 in Bentheim gelebt haben und aus politischen und religiösen Gründen Opfer des Nationalsozialismus wurden, erinnern.
Das Projekt "Stolpersteine" gibt es schon seit 1993, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Roma und Sinti, politisch Verfolgte, Homosexueller, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer im deutschen Faschismus lebendig halten soll.
Die Steine sind aus Beton gegossen und tragen auf der Oberseite eine zehn mal zehn Zentimeter große Messingtafel. Inzwischen hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in mehr als 80 Städten fast 5.000 "Stolpersteine" verlegt. "Je mehr Steine verlegt und zu sehen sind", sagt Demnig, "umso größer wird das Interesse - auch wenn es schmerzhaft sein kann - Geschichte nicht dem Vergessen preiszugeben". Einstimmig beschloss der Ausschuss für Fremdenverkehr und Kultur sowie der Verwaltungsausschuss der Stadt Bad Bentheim das Projekt durchzuführen. Die Herstellung und Verlegung eines Steines kostete etwa 95,00 €. Das Geld wurde durch Privatpersonen, Parteien, Kirchengemeinden, Schulklassen und Vereine aufgebracht.
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Liesel und Hans-Jürgen Schmidt |
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